Auf ein Wort – der Verleger
Sehr geehrte Damen und Herren, dem Wissenszuwachs in allen Bereichen trug die Schulpolitik in den vergangenen Jahrzehnten nur allzu leicht mit einer Anhäufung zusätzlicher Inhalte Rechnung... » mehr
Wir unterstützen
Folgende Aktionen werden von uns unterstützt. » mehr

Auf ein Wort – der Verleger

Sehr geehrte Damen und Herren,
Gunnar Grünke, Verleger
dem Wissenszuwachs in allen Bereichen trug die Schulpolitik in den vergangenen Jahrzehnten nur allzu leicht mit einer Anhäufung zusätzlicher Inhalte Rechnung. Vor allem im Gymnasium führte die Einführung des G 8 zu einer erheblichen Verdichtung der Lehrpläne. Die Kluft zwischen amtlichen Wissensvorgaben und tatsächlicher Schülerleistung wurde unübersehbar.
Die Lösung dieses Problems sehen die Verantwortlichen gegenwärtig im "kompetenzorientierten Unterricht": Neue Inhalte sollen nicht von außen (vom Lehrer) gelehrt werden, sondern Schüler sollen sich Kompetenzen individuell aneignen. Ein solchermaßen gestalteter Kompetenzerwerb erfordert naturgemäß ein höheres Zeitkontingent. Wenn damit gleichzeitig das erwartete Können und Wissen auf ein vertret- und leistbares Maß reduziert würden, könnte der eingeschlagene Weg erfolgversprechend sein.
Doch Vorsicht ist geboten. Gemäß einer gängigen Definition bezeichnen Kompetenzen "die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften, damit die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll genutzt werden können" (E. Weinert).
Aber eine inhaltliche Gewichtung bleibt dabei (absichtlich?) auf der Strecke. Neben aller Methodenkompetenz, Medienkompetenz, Selbstkompetenz, Umsetzungskompetenz ... gerät die eigentliche Sachkompetenz in eine Randlage beziehungsweise wird austauschbar.  Erste Beispiele in aktuellen Curricula mahnen: Die Bevölkerungsentwicklung vom 15. bis 18. Jahrhundert ja, die Französische Revolution nein. Doch eine beliebige Aneinanderreihung von Kompetenzen (besonders beliebt: das Interpretieren von Karikaturen oder das Erstellen/Auswerten von Grafiken in gleich mehreren Fächern) kann eine umfassende, von Generation zu Generation neu zu gewichtende Allgemeinbildung nicht ersetzen.

Deshalb unser Versprechen für 2010: Gemeinsam mit unseren Autoren werden sich unsere Redaktionen um den Spagat zwischen Kompetenz und Inhalt bemühen. Und Sie dürfen versichert sein: Wo Buchner draufsteht, ist auch künftig Bildung drin.


Mit besten Grüßen
Gunnar Grünke
Verleger