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seinen Bildern aufgelöst, Licht und Geschwindigkeit durch Formzerlegung und Farbrefl exe dargestellt. Auch in der Sowjetunion ist das Geschehen nicht als totale Frontstellung zwischen Kunst und neuem Staat zu verstehen; erst der Stalinismus nach 1930 verursachte den entscheidenden Bruch. In Deutschland hatte die Avantgarde jedoch keine Chance, hier begannen die Feindseligkeiten gegen die moderne Kunst schon vor der Machtergreifung Hitlers 1933. Viele Künstler emigrierten nach Nordamerika. Aber auch in den Diktaturen brauchten die Herrscher Kräfte, die ihre Propaganda machtvoll gestalten konnten. Film, Fotografi e, Architektur und öffentliche Inszenierungen wurden wichtig. Anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin 1936 wurde ein Kult des „Schönen Kampfes“ propagiert. Idealisierte Körper beherrschten die Propaganda des Dritten Reiches, und die Fotografi e bildete das geeignete Mittel zur Verbreitung (Abb. 2). In Deutschland wurde die Moderne* offi ziell als „entartet“ gebrandmarkt und in einer Wanderausstellung geächtet (Abb. 3). Die Vereinnahmung von Kunst zuerst durch politische Ideen, dann durch die Propagandaapparate der Staaten, besonders seit den 1930er-Jahren, wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. Wie vorher Republiken und Diktaturen sich kulturell in Szene gesetzt hatten, geschah dies auch nach der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 in den Zeiten des Kalten Krieges*. Entlang der Grenze von BRD im Westen und DDR im Osten trafen sich die Einfl ussbereiche der beiden Großmächte USA und UdSSR. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch die Ideen der Avantgarde zwischen Ost und West aufgeteilt. Im Westen galt die Abstraktion* als Symbol der Freiheit des Individuums, welche die Künstler stellvertretend für die gesamte Gesellschaft zum Ausdruck brachten (s. S. 228 f.). Im Osten galt der Sozialistische Realismus* als die einzig gültige künstlerische Methode, die auch den Fortschritt der Gesellschaft im Sozialismus ausdrücken und befördern sollte (s. S. 248 f.). Zwei Ideologien standen sich gegenüber: Kapitalismus und Kommunismus. Einfl ussreiche und wortgewaltige Kritiker und Theoretiker dienten als ihre Sprachrohre. 2 Leni Riefenstahl: Freiübungen, aus: Schönheit des Olympischen Kampfes, 1936 Filmstill, Berlin 3 Besucherschlange vor dem Eingang zur Ausstellung „Entartete Kunst“*, 1937, Hofgarten-Arkaden, München N u r zu P r fz w e c k e n E ig tu m d e s C .C .B u c h n e r V e rl a g s | |
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